Warum nur?

Manchmal fallen mir Sachen ein, nein, oft fallen mir Sachen ein, nein, irgendwelche Sachen fallen mir immer ein, nur sind die manchmal eben sehr einfältig (extrem dumme Wortspiele zum Beispiel). Oft schreibe ich auch Sachen auf oder nehme sie auf, versuche sie festzuhalten. Oft tu ich das auch nicht, lass den Einfall vorbei gehen, denke, wenn er gut war, wird er wiederkommen. Ob er das tut? Vielleicht. Man kann es nicht beurteilen, denn wenn er wiederkäme, käme er in veränderter Form, das ist klar. Manchmal muss das Zeug raus. Ich habe das – auch wieder so ein Einfall – einmal gleichnishaft folgendermaßen beschrieben:

„Ich hatte zu viel getrunken. Ich saß auf dem Klo, und es kam gleichzeitig aus mir raus. Hinten Durchfall und vorne ins Waschbecken gekotzt.

Dann war alles fast schon wieder gut.“

Ich dachte für einen Augenblick, das wäre doch ein guter Romananfang. Als der Augenblick vorbei war, war alles fast schon wieder ein ganz kleines bisschen besser, und ich dachte: Ja, das wäre doch ein guter Romananfang, wenn ich 14 Jahre alt wäre und Benjamin Lebert hieße. Die Crux an der Sache (ich möchte hier keine persönlichen Daten von mir nennen – das gehört zum Konzept des Raushau-Blogs – aber so viel kann ich verraten): letzteres trifft genauso wenig zu wie ersteres. Aber folgendes trifft zu: Manche Sachen möchten aufgeschrieben werden, und dann sind sie raus. Manche Sachen werden aufgeschrieben und sind trotzdem noch nicht raus. Sie sammeln sich dann als etwas an, was man aber unbedingt noch einmal durchgehen und ansehen muss, was man noch einmal überarbeiten könnte und noch einmal, und wenn man es noch einmal und noch einmal überarbeitet – und manchmal habe ich auch das schon getan – dann würde es, wenn man es danach noch einmal überarbeiten würde und dann noch mit etwas anderem kombinieren, etwas Großes werden, etwas wirklich ganz, ganz Großes. Das nervt.

Das Raushau-Blog versteht sich als Kompensationsventil (falls dieses Wort einen Sinn macht, was ich gerade ein wenig bezweifle, aber, hey, das hier ist das Raushau-Blog). Hier werden Sachen öffentlich gemacht, die das, wenn alles mit rechten Dingen zugeht, nicht verdienen. So weit zumindest das provisorische Konzept, eben rausgehauen (26. Aug. 2009, abends), ich muss nur noch eine passende Software finden.

Das hier ist nicht weniger bescheuert, als wenn ich mich auf den Balkon stellen würde, um irgendwas auf die Straße hinaus zu erzählen. Irgendwas, was mich insofern beträfe, als es vorher in mir drin gewesen wäre, und was die Welt insofern beträfe, als ich ein Teil der Welt bin. Zum Beispiel: „Schweine, Schweine, alles Schweine! Haha, das glaubt ihr doch wohl selbst nicht, dass ihr damit durchkommt. Ich bin Professor für Paranekrologie magna cum laude – hören Sie! – magna cum laude, Sie Kretin!“ Oder solche Sachen oder ganz andere. Ein Raushau-Blog ist aber besser als ein Balkon, weil der ganze Scheiß für immer im Netz bleibt, und man mich eines Tages dafür zur Verantwortung ziehen wird, und dann Gnade mir Gott.

Alle weiteren Erklärungen erübrigen sich. Zur Kommentarfunktion: Ich weiß nicht, ob sie funktioniert. Ich hoffe es aber. Ausscheidungen dieser Art kommentiert man zwar nicht als erwachsener Mensch, aber ihr seid doch eh alle infantiler, als eure (möglichen) Kinder es jemals sein werden. Vor allem sind Ausscheidungen dieser Art gänzlich immun gegen Kritik. Sie sind unantastbar wie die Würde des Tieres. Doppelkreuz und Spiegelmauer.

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