Gelungene Coverversionen von Musik, die man eigentlich besser nicht covern sollte (Folge III)

Diesen Herrn

sollte generell lieber auch nicht covern. Es sei denn man heißt Michael Stipe und schreibt auch noch einen anderen Text dazu, der das Original locker an schöner Seltsamkeit („You want to cross your dna, you want to cross your dna with something reptile“) übertrifft. [Das Video ist leider nicht doll und auch nicht vollständig.]

Und dann kann man natürlich auch beide Versionen zusammen covern. Es wird vielleicht ein bisschen monoton, aber das ist ja gerade das Gute daran.

Georg Kreisler

lebt noch, was mich sehr erfreut hat, zu lesen, denn ich wusste es nicht so genau.

Ein schönes Interview im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Sonntag-Sonntag-Interview-Kreisler-Hitler-Jude-Kabarett-Humor;art2566,2930961

Am 31. ist er in Berlin in der Akademie der Künste und liest aus seiner Autobiografie. Öffentlich Musik macht er leider nicht mehr, weil er seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen würde.

Krebsrot

Papa hat das Badezimmer zu einem Biotop für Flusskrebse umfunktioniert. Wie fröhlich sie in der Badewanne umherkrabbeln! Ich sehe diese Tiere zum ersten Mal, und sie gefallen mir. Sie sind bestimmt so groß wie meine Hand, und sie haben sehenswerte Scheren, Papa bräuchte mich nicht extra darauf hinzuweisen, ich habe sie bereits entdeckt. Ich soll meine Finger davon lassen, warnt er, die könnten ganz schön zuschnappen. Das glaube ich ihm. Ein übermäßiges Bedürfnis, es auszuprobieren, verspüre ich nicht. Vielleicht bin ich gerade dabei, eine wichtige Stufe in meiner kindlichen Entwicklung zu verpassen, aber Dinge, die einem so einsichtig vor den Augen stehen, muss man nicht unbedingt auch noch mit den Händen überprüfen, selbst wenn man ein kleines Kind ist, finde ich. Jedenfalls nicht Dinge, deren Schmerzhaftigkeit sich auszumalen, wenigstens meine Fantasie ausreicht.

Ich frage mich, ob die Fantasie meiner kleinen Schwester wohl auch ausreicht. Sie steht neben mir und macht Glubschaugen. Mit unschuldiger kindlicher Neugierde betrachte ich ihre kleinen Fingerlein, die im Moment völlig unversehrt und auffallend ruhig auf dem Rand der Badewanne liegen. Mal sehen, was der Tag noch so bringen wird, denke ich mir.

Im Raum steht eine weitere unausgesprochene Frage. Wie ist die Anwesenheit der Krebse in unserer Badewanne zu erklären? Ich kenne die Einstellung meiner Eltern zum Thema ‚Haustiere’. Sie ist negativ. Aber vielleicht gilt sie nur für kuschelige Tiere mit Fell, die man angrapschen kann. Das scheint plausibel. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie meine kleine Schwester mit dem für pädagogisch sinnvoll gehaltenen Kaninchen aus dem Kindergarten umgesprungen ist, als wir es kurzzeitig bei uns zur Pflege hatten. Seitdem habe ich ein wesentlich realistischeres Bild von ihrem Charakter.

Heute im Rückblick sehe das ganze übrigens nicht mehr so tragisch. Das Kaninchen war ein Albino, weiß mit roten Augen. In der freien Natur hätten es die anderen Tiere bestimmt auch getötet.

Ein Tier mit scharfen Scheren könnte sich gegen Übergriffe meiner kleinen Schwester besser wehren. Das stelle ich mir pädagogisch sinnvoll vor. Wie ruhig sie ihre Hände auf dem Rand der Wanne liegen lässt!

Dagegen, dass die Krebse als Haustiere gedacht sein sollten, spricht allerdings ihr Aufenthaltsort. Mit mir würde es erst mal keine größeren Probleme geben, aber Mama braucht das Badezimmer. Und zwar täglich. Und lange. Und für sich ganz allein.

Aus meiner Schwester platzt es schließlich heraus: „Behalten wir die?“

„Nein, die gibt es heute zum Abendessen.“

Es braucht seine Zeit, bis ich den Satz halbwegs verstehe. Ich dachte immer, Tiere, die man in der eigenen Wohnung beherbergt, werden nicht gegessen. Das weiße Kaninchen wurde auch nicht aufgegessen, nachdem die Frau Tierdoktor es für immer einschlafen ließ, damit es nie mehr Schmerzen haben musste. Jedenfalls von uns nicht. Vielleicht von den Kindergärtnerinnen, denen es ja eigentlich gehörte. Aber das glaube ich nicht. Es gibt, so weit ich das weiß, nur eine Sorte von Tieren, die man isst. Das sind die Tiere, die man als Fleisch kennen lernt, also sehr tot. Fische bilden die einzige Ausnahme: Sie sind zwar auch schon tot, aber manchmal noch als intaktes Tier zu erkennen und einmal habe ich sogar beim Einkaufen gesehen, wie der Händler einen lebendigen Fisch aus einem Aquarium kescherte und erschlug. Aber Tiere, die man in der Wohnung rumlaufen hatte, sind Teil der Familie, sie zu essen, wäre Kannibalismus.

Die Krebse machen auch von ihrer ganzen Körpersprache her den Eindruck, als wollten sie sich bei mir und meiner Schwester als unsere ersten Haustiere empfehlen. Sollten sie tatsächlich nur auf der Welt sein, um unser Abendessen zu werden, so lassen sie es sich jedenfalls nicht anmerken. Diese Flusskrebse erwarten mehr vom Leben. Ich frage mich, ob hier ein Irrtum vorliegt. Ich erinnere mich jetzt wieder an Abbildungen von Krebsen in einem Kochbuch. Die Krebse, die dort hübsch auf einem Teller drapiert lagen, waren rot gewesen, krebsrot, wie man sagt, und die in unserer Wanne sind grau-oliv. „Sie werden rot, wenn sie gekocht werden“, erklärt Papa. Ich mag es nicht glauben.

Andererseits, wenn es ums Essen ging, war ich noch nie sonderlich sentimental. Was soll’s, denke ich mir, schmecken ja vielleicht ganz gut. Tschüss, Haustiere. Wir hatten gar nicht die Möglichkeit, uns richtig kennenzulernen, aber so fällt der Abschied auch leichter.

„Ich will beim Kochen dabei sein“, sage ich. Meiner kleinen Schwester muss ich damit in den Rücken gefallen sein. Man kann ihr die Enttäuschung schon ansehen, als sie eine Stunde später mit völlig verheulten Augen wieder aus ihrem Bettkasten hervorgekrochen kommt. Sie wünscht sich eben noch viel stärker als ich irgend ein Haustier.

Inzwischen ist mir klar, warum ihr das damals so ein Bedürfnis war. Ich hatte ja immer noch sie. Aber unter ihr gab es in unserer Familie nichts mehr, nach dem man auch mal treten konnte. Logisch, dass sie immer ein Haustier zum im weitesten Sinn Liebhaben wollte.

Zum Krebsekochen drängt sie mit in die Küche hinein. Papa macht einen fahrigen und unglücklichen Eindruck. Ich glaube, er will uns eigentlich lieber nicht dabei haben, hat sich aber entschlossen, wenn wir denn unbedingt darauf bestehen, sich dem nicht zu widersetzen. Mir wird bewusst, dass Papa das wahrscheinlich selbst auch noch nie gemacht hat. Er fährt mit einer Bürste äußerst grob über den ersten Krebs, der sich benimmt wie jemand, dem es nicht recht ist, getötet zu werden. Hastig wirft Papa ihn in das kochende Wasser. Er blickt ihm nach und macht einen ziemlich entsetzten Gesichtsausdruck dabei. Dann legt er sehr schnell den Deckel auf den Topf. Nach einer Weile hebt er ihn kurz wieder hoch, guckt noch entsetzter und lässt ihn sofort wieder auf den Kochtopf fallen. Meine Schwester protestiert jetzt wild. Nach einiger Zeit hebt Papa den Deckel erneut hoch und diesmal legt er ihn beiseite. Ich soll reingucken. „Siehst du, jetzt ist der Krebs ganz rot, weil er gekocht ist.“ Das finde ich unglaublich faszinierend, wie bei einem Zaubertrick, bei dem der Zauberer aus einem gepunkteten Tuch ein gestreiftes macht. Meine Schwester hat auch ihre Farbe verändert, fällt mir auf. Sie ist jetzt ganz bleich.

Papa greift mit nun etwas sichererer Hand nach dem nächsten Krebs. Meine kleine Schwester reicht eine äußerst scharf formulierte Protestnote ein, aber Papa befördert auch den zweiten Krebs in den Topf. Seine gefährlichen Scheren mutig ignorierend greift meine Schwester hinein und holt ihn wieder heraus. Und das ist erstaunlich: Obwohl er noch gar nicht ganz tot ist, kneift er sie nicht. Er muss instinktiv fühlen, dass sie ihm wohlgesonnen ist. Und jetzt zahlt sich aus, dass ich ihre Finger, wie ich mir das vorgenommen hatte, die ganze Zeit im Auge behalten habe. Ich kann beobachten, wie sie ihre Farbe verändern. Sie werden ganz genauso rot wie der gekochte Krebs. Der Krebs ist stiller, als meine Schwester, aber farblich ähneln sie einander frappierend. Das hätte ich niemals gedacht.

Ist mir noch zu helfen?

Der neue (oder baldige? ich weiß es nicht mal) Vizekanzler Westerwelle hat gesagt, so höre ich es in den Nachrichten, dass die im Koalitionsvertrag beschlossene Politik nicht unsozial sei. Wer das finde, dem sei in seiner Hirnverbranntheit nicht zu helfen. Deutschland werde nämlich von der Mitte aus regiert.

Ich würde das gern verstehen, aber ich schaffe es nicht. Ich gehe mal davon aus, dass stimmt, dass Deutschland von der Mitte aus regiert wird. Nur weiß ich gar nicht genau, was die Mitte von Deutschland ist. Das macht das Verständnis ein bisschen schwierig. Ich muss raten, was gemeint sein könnte: Vielleicht der Mittelstand, weil die FDP ja immer damit wirbt, dass sie den Mittelstand, insbesondere mittelständische Unternehmen vertrete. Bis vor kurzem hatte ich auch keine Ahnung, was ich mir unter einem mittelständischen Unternehmen vorstellen soll. Dann habe ich in einem Artikel über Fußball, ein Thema, das mir näher liegt, als Wirtschaftspolitik, gelesen, dass Uli Hoeneß es geschafft habe, aus dem FC Bayern München ein gut gehendes mittelständisches Unternehmen zu machen. Seitdem habe ich eine etwas bildlichere Vorstellung davon, was die FDP vielleicht meinen könnte, wenn sie den Begriff ‚Mitte’ gebraucht. Außerdem habe ich irgendwann Anfang September bei einer Wahlkampfveranstaltung für Menschen mit Behinderungen fotografiert, die ein Bündnis mehrerer Sozialverbände organisiert hatte. An der Podiumsdiskussion nahmen teil: Wolfgang Thierse für die SPD, Gregor Gysi für die Linke, Christian Ströbele für die Grünen, eine Frau Vogelsang, die man in Berlin vielleicht kennen könnte, für die CDU und irgend ein Typ von der Berliner FDP, der eine Dreiviertelstunde zu spät kam. Der Typ von der FDP hatte nichts zur Diskussion beizutragen mit Ausnahme des Satzes, dass sich Arbeit wieder lohnen müsse. Sein Gesichtsausdruck changierte zwischen neutralem Desinteresse und genervter Überheblichkeit. Dadurch habe ich eine zugegeben subjektive, aber bildliche Vorstellung bekommen, was die FDP wahrscheinlich nicht meint, wenn sie von „Mitte“ spricht. Das muss reichen, um den letzten Teil von Westerwelles Aussage so einigermaßen interpretieren zu können.

Jetzt kommt aber mein zweites, schwerwiegenderes Verständnisproblem dazu: Wie soll ich den von Westerwelle offensichtlich intendierten Kausalzusammenhang herstellen? Wenn eine Regierung Politik von der Mitte aus machen würde, würde daraus doch nicht automatisch folgen, dass diese Politik nicht unsozial wäre. Genauso gut hätte Westerwelle sagen können, wir machen Politik von oben, von unten, von links, von rechts, von hinterm Mond, daher kann unsere Politik gar nicht unsozial sein. Das wäre auch nicht weniger schlüssig argumentiert gewesen. Sozial handeln heißt doch (so in etwa), dazu beitragen, die Gesellschaft als ein Gemeinwesen zu entwickeln, in dem jeder Einzelne gleiche Rechte und Chancen hat und wo die Stärkeren, die Schwächeren unterstützen und nicht unterjochen. So handeln kann ich doch, egal ob ich mich in der Mitte oder am Rand der Gesellschaft verorte bzw. dort von der Gesellschaft verortet werde. Was immer die Mitte ist, sie ist per definitionem nicht das Ganze, das ist sicher. Und es gibt zunächst mal keinen Grund anzunehmen, dass so eine Mitte per se nicht willens oder in der Lage wäre, Politik gegen die zu machen, die nicht Teil von ihr sind. Und das wäre dann unsozial. Ich verstehe Westerwelle nicht. Ich glaube, das liegt daran, dass man ihn nicht verstehen kann. Wenn eine Aussage in sich falsch ist, kann man sie nicht durch noch so angestrengtes Nachdenken richtig machen. Das glaube ich. Ist mir noch zu helfen?

Es gibt übrigens noch viel mehr, was ich nicht mal ansatzweise verstehe. Zum Beispiel was Gerd Appenzeller  im Tagesspiegel schreibt: „Nach einer alten politischen Regel sind große Probleme am besten von erfahrenen Köpfen zu lösen. Vor diesem Hintergrund dem unbestechlichen und absolut loyalen Wolfgang Schäuble die Finanzen anzuvertrauen, war eine souveräne Entscheidung Merkels.“

Warum steht da „unbestechlich“, obwohl es doch korrekt „bestechlich“ heißen müsste? Oder erinnere ich mich da jetzt falsch an die CDU-Schwarzgeldaffäre? Oder ist das ein Druckfehler? Oder ist Schwarz in Wirklichkeit Weiß und Krieg bedeutet Frieden, Freiheit ist Sklaverei und Unwissenheit ist Stärke? Oder muss man das alles viel differenzierter sehen, nicht so in simpel einander entgegengesetzten Kategorien, besser irgendwie postideologisch, ja am besten vielleicht postlogisch? Mein Hirn fühlt sich verbrannt an. Ist mir noch zu helfen?

Gelungene Coverversionen von Musik, die man eigentlich nicht covern sollte (Folge II)

Creep von Radiohead. Am Ende klatschen die Leute, sie klatschen laut vernehmlich in die Hände, doch wirklich, sie tun das, keiner buht, keiner wirft mit faulen Eiern, ein paar jubeln sogar verhalten. Dann muss die Version wohl gelungen sein.

http://www.spreeblick.com/2009/10/23/gunter-gabriel-spielt-creep-von-radiohead-ich-bin-ein-nichts/

Anschauungsmaterial zum Thema „Öffentlich Altwerden“

Aus nicht gegebenem Anlass stelle ich hier die drei Möglichkeiten des öffentlichen Altwerdens am Beispiel der Mitglieder der bekannten Rockgruppe Nirvana zusammen. Im Sinne einer Lebenshilfe für alternde Leser meines Blogs lassen sie sich eventuell auch aufs private Altwerden übertragen.

Zunächst der Ausgangspunkt: das öffentliche Jungsein, 1992 anlässlich der Verleihung der MTV-Awards, v.l.n.r.: Krist Novoselic, Dave Grohl, Kurt Cobain.

Nun die drei Möglichkeiten (v.r.n.l.).

1. Variante „Kurt Cobain“: Gar nicht alt werden.

2. Variante „Dave Grohl“: Halt irgendwie Kind bleiben. Axl Rose bleibt für immer der wichtigste Feind. Überspielen, wie ähnlich man den verhassten „Guns’n’Roses von damals geworden ist.

3. Variante „Krist Novoselic“: In Würde (ganz schön) alt werden.

Small Talk

Ich unterhalte mich im Grunde gerne mit Leuten, die ganz anders sind als ich. Aber wenn ich ihnen zeige, wie anders ich bin, dann sind sie beleidigt. Oder umgekehrt. Wo etwas, was ich in meinem vermessenen Anspruch erst Gespräch nennen würde, seinen Ausgang nehmen könnte, ist es vorbei, weil es schon an diesem Punkt nicht mehr als Gespräch, sondern nur noch als Schlacht mit anderen Mitteln empfindbar ist. Es kommt vor, dass ich so etwas glaube.

Er ist vielleicht ein erfolgreicher Mann, zumindest gibt er vor einer zu sein. Ich sitze ihm in meinem ersten Anzug gegenüber, den ich mir extra für diesen Anlass gekauft habe. Ich finde, dass ich den besser sitzenden Anzug und die schönere Krawatte habe. Mit dieser still vor mich hin gehegten Meinung kompensiere ich meine Minderwertigkeitsgefühle: In meinem Alter zum ersten mal im Anzug. Wenn die das wüssten, dann wüssten sie, wie weit weg ich von jeder Art gesellschaftlicher Existenz bin.

Auf Nachfrage sage ich einigermaßen laut, dass ich eine Schriftstellerlaufbahn einschlagen möchte. Schriftsteller sind komische Gesellen, sie haben Narrenfreiheit. Wenn sie zum Beispiel nicht so gerne über ihr Schreiben reden, kein Problem. Sie lassen halt lieber ihre Texte sprechen, ihre fertigen. Und die besonders geschickten kriegen nie einen fertig und dürfen deshalb immer schweigen. Ich bin auch eher so ein Schweiger. Trotzdem wären Nachfragen wie: Was schreibst du? Hast du Vorbilder? Was ist dein Lieblingsbuch? Kann man was von dir Lesen? für mein Empfinden netter gewesen als: „Das ist aber schwierig, damit Geld zu verdienen.“

Dabei ist da nichts Böses bei. Das ist nur eine etwas andere Denkweise. Die geht so: ‚Wenn da Geld zu verdienen wäre, dann hätte ich vielleicht Schriftsteller gelernt, aber mir ist das zu unsicher. Ich habe mich dann doch für einen Berufszweig mit besserer Perspektive entschieden.’ Ich nehme zumindest an, dass er so denkt, es wäre vernünftig. Ich könnte vorsichtig nachfragen, ob ich richtig geraten habe und dann erklären: „Siehst du, so ist das bei mir nicht. Ich habe das Gefühl bekommen, dass ich das machen muss. Und dass ich unglücklich werde, wenn ich es nicht versuche. So ist das bei mir.“

Und er würde sagen: „Das dachte ich mir schon. Ich habe von solchen Menschen gehört. Aber es ist schwer, davon zu leben.“

Ich würde sagen: „Du hast es nicht verstanden: Ich kann nicht anders leben.“

Und dann wäre das Gespräch zu Ende, und er würde denken: ‚So viel Pathos und Unbedingtheit kommen mir doch sehr unreif vor. Dabei hat der bestimmt einen, der ihm das bezahlt. Wenn er sonst verhungern würde, würde er nicht mehr davon reden, wie unbedingt er Schriftsteller sein muss.’

Und ich würde erneut seine Gedanken lesen und denken: ‚Na und, dafür mach ich wenigstens keine Arbeit, die anderen Menschen schadet. Ihr seid doch alle Finanzhaie und so was. Ihr seid Schädlinge und kriegt auch noch gutes Geld dafür und denkt dann noch, dass ich wem auf der Tasche liege.’

Und er würde denken: ‚Der klingt wie ein trotziges Kind.’

Der Dialog fand nicht statt, und das ist kein Schaden.

Er erzählt jetzt – während ich mich in Gedanken im Unrecht fühle – einem anderen, wie seltsam das ist von Zürich nach Berlin gezogen zu sein und dann nicht nach Berlin Mitte, sondern in irgend so einen abseitigeren Bezirk, wie hieß er noch gleich?, na ja, anyway. In Zürich, da habe er jeden Tag auf der Straße mehrere Bekannte getroffen. Da sei er in den ICE gestiegen und schwups saß da schon ein Bekannter im Erste-Klasse-Abteil, mit dem man netzwerken konnte. Berlin Hauptbahnhof habe er kein einziges bekanntes Gesicht gesehen. Und da, wo er jetzt wohne, sei es ja ganz heillos. Er müsse wenigstens nach Mitte ziehen. Und während er so redet, passiert mir etwas, von dem ich glaube, dass ich es nicht gewollt habe: Ich grinse. Und er bemerkt es – und obwohl ich den Eindruck habe, dass er nicht ganz Alphamännchen ist, arbeitet er daran, eins zu werden, also muss er mich jetzt stellen: Warum ich denn grinse? Ich erkläre es ihm. Wenn mich einer was fragt, dann antworte ich wahrheitsgetreu, nach bestem Wissen und Gewissen. Ich kann gar nicht anders.

Ich hätte von Leuten gehört, die nach Berlin gezogen seien, gerade weil sie dort nicht ständig jemand Bekanntes auf der Straße träfen. Die Antwort ist ehrlich, aber schwach, weil sie mein Grinsen nicht entschuldigt. Nur weil ich so ein Klischee im Kopf habe, ist das noch kein Grund, über ihn zu grinsen. Er versteht aber noch nicht mal, was ich gemeint habe. Er weiß nicht, wovon ich da rede. Er zieht sich zurück. Lässt die Sache unter den Tisch fallen. Spricht nicht mehr mit mir, ehe es Streit gibt. Natürlich ist mir das recht so. Ist ja schließlich auch nicht nötig, sich mit jedem zu verstehen.

Gelungene Coverversionen von Musik, die man eigentlich nicht covern sollte (Folge I)

Der Raushau-Blog stockt gerade etwas. Da ist schon viel zu lange ein fast fertiger Text, der sich renitent und störrisch weigert, rausgehauen zu werden. So war das hier ja nun nicht gedacht, dass sich die Texte so benehmen! Mir bleibt nichts anderes übrig, als ihn jetzt hintanzustellen, damit wieder Platz ist für nachdrängende Texte, die hoffentlich weniger rumzicken. Um bis dahin erst überhaupt mal wieder was gepostet zu haben, mach ich das einfachste: einen Link zu Youtube setzen.

Das soll dann auch eine neue Rubrik werden. In der ersten Folge geht es um Musik von Nirvana. Einige Bands sind an Nirvana-Covers gescheitert, weil sie die Musik zwar nachspielen, aber offensichtlich nicht nachfühlen konnten, z.B. die Popträllerer Weezer, die Modekitschfabrikanten Evanescence, die Brechmittelrocker Seether …

Hier zeigen zwei junge Talente, wie man es richtig gut macht: