Flughafensee

Raushau-Blog-Leserservice:

Gemäß „Ich-schreibe-wie“-Zertifizierung liest sich folgender Text wie ein Text von Joanne K. Rowling. Na, wenn das nichts ist! Der Text ist (mit Leerzeichen) 5003 Zeichen lang.

Am Ende des Textes befindet sich wieder ein, nein, diesmal sogar zwei Youtube-Links, zu denen gerne auch vorscrollen kann, wer keine Lust auf Lesen hat.

Als brandneuen Leserservice bietet das Raushau-Blog auch eine automatisch vorgelesene Version des Textes an:

Oh, das ist ja ein englischsprachiger Vorleseroboter. Der braucht natürlich auch einen englischen Text zum Vorlesen, damit man ihn etwas besser versteht. Also lasse ich meinen deutschen Text vom Google-Übersetzerroboter in einen englischen umwandeln und erneut vorlesen:

Das ist ja überraschend poetisch geworden. Aber vielleicht suche ich besser doch noch mal nach einem deutschsprachigen Vorleseroboter:

Und jetzt zum Selberlesen:

Hinter dem Wasser liegt die Startbahn. Ich sehe die glänzenden Maschinen vorbeifahren und abheben. Ich bin müde. Kann sein, dass ihr stetiges dumpfes Dröhnen und ihr an- und abschwellendes schrilles Pfeifen einschläfernd wirken. Ich habe mich hinter einer Düne dicht am eingezäunten Vogelschutzgebiet in den Sand gesetzt. Von hier aus sehe ich keine Menschen und obwohl ich ein Stück weiter weg welche plantschen und kreischen höre, bilde ich mir ein, ich wäre mit den Flugzeugen allein.

Der Himmel ist eine blaue Kuppel über Wasser, Sanddünen und Wald, eine Halbkugel über einer im ganzen ziemlich flachen Erde. Auf Bildern der Erde in Schulbüchern und im Internet sieht man, dass sie eine Kugel ist mit dem Himmel als äußere Hülle. Was stimmt wirklich? Ich sollte lieber glauben, was ich mit eigenen Augen hier draußen sehe. Bilder im Internet können gefälscht sein. Das bringen sie einem sogar in der Schule bei. Aber die Bilder, die sie selbst einem zeigen, meinen sie damit natürlich nicht.

Ein Schatten fällt auf mich. Es ist kein Flugzeug. Die Flugzeuge werfen ihre Schatten nicht bis hierher. Es ist Mama. Mama sagt, ich soll aufhören, mit der Plastikflasche gegen die Birke zu schlagen. Ich hatte nicht bemerkt, dass ich das tue. „Bei ALDI gibt es noch 25 Cent dafür. Das waren einmal 50 Pfennig“, behauptet sie vollkommen ernst. „Aber für eine kaputte Flasche gibt es gar nichts.“ Ich lasse die leere Flasche neben mich in den Sand fallen.

„Der geht hoch“, sagt Mama. Es ist ein Airbus 320 von British Airways. Das Dröhnen nimmt kaum zu, während er beschleunigt, nur das schrille, hohe Pfeifen. Ich folge der Maschine mit den Augen, sehe sie steil nach oben steigen und schnell kleiner werden. Ihre Flugbahn wird flacher und bevor sie gegen die Kuppel stoßen würde, fliegt sie parallel zu ihr weiter und ist sehr schnell außer Sicht.

Ich könnte mir das stundenlang angucken, ohne eigentlich etwas Bestimmtes zu denken. Dabei fühle ich mich trotzdem auf eine gute Weise so, als würde ich mir ganz viele Gedanken machen über die Dinge, die wirklich wichtig sind. Warum riesige schwere Maschinen fliegen können, aber ich nicht zum Beispiel, oder warum ich lebe und nicht tot bin. „Träumst du wieder vor dich hin?“, sagt Mama oft, wenn ich auf diese Weise denke. Aber hier am Flughafensee schaut sie genauso den Flugzeugen hinterher. „Träumst du wieder vor dich hin?“, frage ich, um sie ein bisschen zu ärgern, und sie ärgert sich ein bisschen: „Ach Quatsch!“ Im Weggehen sagt sie, dass wir in einer Viertelstunde aufbrechen werden.

Auf einer Boje sitzt ein großer schwarzer Vogel mit einem langen Schnabel. Er hat seine Flügel weit ausgebreitet. Um sie in der Nachmittagssonne des warmen Spätsommertages trocknen zu lassen, nehme ich an. Ich überlege, ob ich noch einmal ins Wasser gehe und versuche zu ihm hin zu schwimmen. Das wäre aufregend, weil es ja ein ziemlich großer Vogel ist und auch kein halbzahmer wie ein Schwan. Er hat eher etwas von einem pechschwarzen Flugsaurier.

Noch ein A 320, diesmal von Air Berlin, startet, während gleichzeitig direkt dahinter eine gerade gelandete McDonell Douglas ausrollt. Bald machen sie den Flughafen zu. Ich weiß nicht, ob wir dann noch hierher kommen werden. Mama sagt, dann wird es bestimmt noch voller werden und dann hätte sie wirklich keine Lust mehr, sich das anzutun. Aber bis dahin wäre ich ja auch groß genug, um alleine mit meinen Freunden zu gehen. Ich werde aber bestimmt nicht mehr kommen, wenn keine Flugzeuge mehr starten. Im Fernsehen haben sie neulich ein paar Anwohner interviewt, die gegen die Schließung sind. „An das Geräusch der Maschinen gewöhnt man sich doch“, hat einer gesagt und ist dann richtig wütend geworden. „Sonst hat man kein Geld, aber für einen neuen Flughafen ist auf einmal welches da. Und auch wenn man schon meint, dass man einen neuen bauen muss. Dann muss man den alten noch lange nicht zumachen. Als ob der nicht mehr gut genug sei.“ Ich bin auch dagegen. Wenn ich erwachsen bin, will ich entweder Koch oder Bundeskanzler werden. Wenn ich Bundeskanzler werde, mache ich den Flughafen wieder auf.

Mama ruft, dass wir losgehen. Ich glaube der schwarze Vogel hat sich die ganze Zeit nicht ein Stück bewegt. Ich habe mal mit einem Freund gewettet, wer am längsten mit ausgebreiteten Armen stehen kann. Er konnte länger. Aber wenn der Vogel mitgemacht hätte, hätte der Vogel locker gewonnen.

Ich stehe auf, drehe mich um und sehe nur noch aus den Augenwinkeln, ein landendes Flugzeug über die Bahn hinausschießen in ein Gebiet, wo ich es nicht mehr sehen kann. Der schwarze Vogel fliegt erschrocken auf und ich höre Hunderte Tonnen Metall zerkrumpeln und Bäume splittern. Es klingt wie nichts, was ich kenne. Zwei Explosionen folgen dicht aufeinander und ich falle zurück in den Sand. Ich weiß nicht, ob es der Schreck ist oder tatsächlich der Druck, der sich einen Augenblick so anfühlt, als käme die Luft als eine Wasserwand auf mich zu. Dann brennt der Wald in einem ähnlichen Orangerot wie die Sonne.

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