Zum Kaiser von China

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Der folgende Text hat 4256 Zeichen (inkl. Leerzeichen) und ist „Ich-schreibe-wie“-zertifiziert mit dem Gütesiegel:

Ich schreibe wie
Sidney Sheldon

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

[Who the fuck ist eigentlich jetzt schon wieder Sidney Sheldon? Und warum kann ich nicht auch mal schreiben wie ein deutschsprachiger Autor? Mit den Übersetzungen gerät da doch so viel Rauschen in die Daten, das kannst du doch wissenschaftlich gar nicht mehr ernst nehmen! Ach was soll’s, die Software wird schon wissen, was sie tut.]

Eine Hörbuch-Variante des Textes gibt es hier nicht mehr, weil sich der Witz verbraucht hat. Falls jemand  anderer Meinung ist, muss er mir das sagen.

Dafür jetzt neu: Ein Berlin-Foto (Copyright bei mir!) in der Mitte des Textes, das keinerlei Zusammenhang zu selbigem aufweist, sondern lediglich meine Heimatverbundenheit dokumentieren soll.

Als Leckerli am Ende des Textes wie immer ein Youtube-Link.

Der Text:

„Du kümmerst dich um den Baum, ja?“

„Ja, klar.“

„Ich meine, wirklich, die wachsen sehr schnell. Das darfst du nicht unterschätzen.“

„Ja, sicher, ist ja klar.“

„Ich weiß noch, als ich klein war, 1950, haben wir auch so eine Kastanie bei uns im Garten gepflanzt. Und als ich in den 70ern weggezogen bin, war es schon ein richtiger Baum. Die wachsen sehr schnell. Ehe man es sich  versieht, sind es schon richtige Bäume.“

„Hmm, in nur 30 Jahren, erstaunlich.“

„30 Jahre? Ach so. Nein, schon eher 20 waren das, vielleicht 25, sehr schnell jedenfalls.“

„Ja, irgendwie schon.“

„Mein Gott, in noch mal 20 Jahren, da werde ich dann schon gar nicht mehr sein.“

„Ach, sag das nicht. Wer weiß. Um die 90 ist doch kein Alter heutzutage.“

„100 Jahre alt werden, war jedenfalls nie mein Ziel. Ich meine, es gibt wohl Menschen, die werden 100 und älter und sind bis zum letzten Tag noch rüstig, aber meistens ist es doch dann nicht mehr schön. Also ein Pflegefall will ich nicht werden. Ich bin ja geistig und körperlich noch ganz beweglich, gerade auch, wenn ich das vergleiche mit anderen Frauen in meinem Alter.“

„Hmm.“

„Na ich hoffe, das bleibt auch so.“

„Hmm.“

„Ich find das ja immer noch komisch zu so Veranstaltungen wie heute zu gehen, wo dann lauter Rentner um dich rum sitzen. Dabei bin ich ja selber eine von denen. Hahaha, die rüstige Rentnerin, hahaha.“

„Hahaha.“

„Wobei, wir sind auch öfter bei Veranstaltungen, wo viele junge Leute sind. Da fallen wir dann immer ganz schön auf. Wir senken den Altersdurchschnitt.“

„Du und dein Mann, ihr seid halt jung geblieben.“

„Na das hoffe ich doch! Ich sah ja auch immer schon jünger aus, als ich wirklich war.“

„Hmm.“

„Das hat den Männern immer gefallen. Hahaha.“

„Hahaha.“

„Also, du passt gut auf den Baum auf?“

„Sicher.“

Martin Thoma

„Wenn wir dann wegfahren. Das ist schon sehr aufregend, in unserem Alter noch mal wegziehen. Das hätte ich irgendwie auch nicht gedacht, das ich das noch mal machen würde, hier wegziehen.“

„Ja, das ist schon mutig, den alten Freundeskreis verlassen und sich ganz woanders noch mal einen neuen aufbauen.“

„Hmm.“

„Aber du hast ja auch noch immer deinen Mann.“

„So viele sind das ja auch gar nicht mehr.“

„So viele wovon?“

„Äh, was? Ach so, Freunde hier meine ich. Viele hat man doch aus den Augen verloren. Wir sind ja jetzt auch nicht so die Hansdampfs in allen Gassen, hahaha.“

„Hahaha, nein, das seid ihr nicht.“

„Nein.“

„China also …“

„Ja, in die Hauptstadt Ping. Das ist eine Initiative des Kaisers von China.“

„Ach?“

„Ja, sie wollen dort die europäische Mentalität kennen lernen. Man hat ja in China großen Respekt vor älteren Menschen. In China bedeutet Alter Weisheit. So denkt man dort. Wir werden gewissermaßen kaiserliche Berater sein. Nicht nur wir natürlich. Tatsächlich kommen wohl mehrere Millionen Rentner aus ganz Europa. Aber das wird sehr konspirativ gehandhabt, das ist alles sehr intransparent. In China wird eben von oben geplant und nicht informiert, mit Demokratie und Mitbestimmung hat das natürlich nichts zu tun. Es ist wohl so, dass da schon kurzfristig für die Europäer enorme Sparpotenziale liegen. Alte kosten eben Geld, das ist bekannt. Und China hat Geld.“

„Das ist ja … warum hört man denn hier gar nichts davon?“

„Wie gesagt, das ist konspirativ gehandhabt. Ich hätte da auch gar nichts von erzählen dürfen. Wenn das rauskäme, stünde da eine enorme Vertragsstrafe drauf. Also bitte nicht weitererzählen.“

„Und gleich so viele Rentner. Meint der Kaiser von China tatsächlich, das ihm das was nutzt, ich kann mir das gar nicht vorstellen.“

„Also, die ursprüngliche Idee, aber das weiß ich auch nur gerüchteweise, soll ja gewesen sein, nur Helmut Schmidt zu holen. Aber Helmut Schmidt wollte dann doch lieber hierbleiben, heißt es. Und da hat man sich dann, gewissermaßen typisch chinesisch, für Masse statt Klasse entschieden. Wobei du das auch in Relation sehen musst: Für chinesische Verhältnisse sind ein paar Millionen eben nicht viel.“

„Ja, so gesehen.“

„Wir sind jedenfalls schon sehr aufgeregt.“

„Aber um den Baum mach dir mal keine Sorgen. Da kümmer ich mich drum.“

„Das ist wirklich sehr nett von dir. Das nimmt mir eine große Last von den Schultern, dass du das machst. Ich hätte nicht gewusst, wen ich sonst fragen sollte. – Das ist schon verrückt, wie schnell die wachsen.“

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