Die Geschichte meiner Träume — 2. Nacht

Raushau-Blog-Leserservice: Ja, ihr kennt das schon. Der nachfolgende Text hat 4344 Zeichen (incl. Leerzeichen) und ist „Ich schreibe wie“-zertifiziert mit dem Gütesiegel:

Ich schreibe wie
Joanne K. Rowling

Das Forschungsprojekt von AnwaltMap – anwälte. Ich schreibe wie…

oder vielleicht auch wie ihr deutscher Übersetzer, man weiß es nicht. Jedenfalls ein bisschen erschreckend, festzustellen, dass ich mich so langsam stilistisch bei Rowling einpendele. Für euch, liebe Leser, bedeutet das zunächst einmal, dass der Kram von seiner Lesbarkeit her echt für jeden machbar sein sollte. Ob es für mich bedeutet, dass ich es bald von HartzIV zum Millionär schaffe, da bin ich mir noch nicht so sicher, aber ich werde jedenfalls schon mal überlegen, an wen ich dann gegebenenfalls was spende und an wen nicht. Weiterer Leserservice: Ganz am Ende des Textes ist wieder ein Youtube-Link und irgendwo in der Mitte ein Foto von mir (ohne Bezug zum Text, aber mit Berlin-Bezug). Es folgt der Text.

Meine Träume langweilen mich.

Angst.

Na und?

Verlangen nach Anerkennung und/oder Bewunderung, nach Nähe und/oder Sex.

So what?

Schamgefühle, Peinlichkeiten, ungerechte Wut und gerechte Wut.

Hilft uns das weiter?

Geschichten, die gleich nach dem Anfang, wieder abbrechen – wobei man dazusagen muss, dass sie nie einen Anfang hatten.

Es ist wie im richtigen Leben.

Erinnerungen an mögliche Abläufe von Grund und Folge, die zur gleichen Zeit auftreten, zu der sie verschwinden und vielleicht keine Erinnerungen sind, sondern fehlgeleitete Versuche einer Rekonstruktion.

Weil ich jetzt weiß, dass ich noch schlafe, wenn ich aufwache, wache ich nicht mehr auf, wenn ich spüre, dass ich aufwache. Ich schlafe, so lang es geht. Der Hunger kann mich wecken. Oder die Pflicht. Manchmal auch ein Vorsatz. Wenn ich gut bin gar vorsätzliche Vorfreude. Meine Träume langweilen mich, aber ich schlafe weiter.

Noch unter der Dusche schlafe ich. Es gibt keinen bestimmten Punkt, an dem ich wach bin. Ich fließe vom Schlaf- in den Wachzustand und zurück. So treibe ich durch mein Leben.

Wo der Berg über dem Papiercontainer in sich zusammengebrochen ist, steht jetzt ein Wald. Die Vampire rennen durch den Wald. Wir sind zu dritt. Arian B. und Björn He. sind verschwunden. Die neuen sind Gregor und ein Vampir-Weibchen, das ich nicht kenne. Ihr fahlweißer Ausschnitt leuchtet mir den Weg.

Wir laufen über Bohlen. Unsere Schritte auf den Bohlen sind laut wie unser Atem. Wir rennen, als ginge es um etwas. Immer scheint es um etwas zu gehen in meinen Träumen. Doch um was es geht, dieses Geheimnis geben sie niemals preis. Die Bohlen lenken unseren Weg. Das scheint ihr einziger Zweck zu sein, der Boden unter ihnen jedenfalls ist ganz gewöhnlicher, gut begehbarer Waldboden.

Auf einer bunt illustrierten Informationstafel der Forstverwaltung sind verschiedene Fledermausarten abgebildet. Wir sehen nach, ob wir uns selbst finden. „Sucht euch einfach aus, welche ihr am liebsten sein wollt“, sagt der in Grün gekleidete Förster. „Ist scheißegal, sind eh alle ausgestorben.“ Wir sagen danke, wir töten ihn und wir saugen ihn leer. Ich will am Ausschnitt des Vampir-Weibchens saugen. Doch ich muss vorsichtig sein. Wenn ich es zu sehr will, wache ich auf und alles ist vorbei.

Ich wache auf.

Martin Thoma

Nach dem Aufwachen merke ich sofort, dass etwas nicht stimmt. Ein Blick aus dem sperrangelweit geöffneten Fenster und ich erkenne, was es ist: Europa ist untergegangen. Das fehlt gerade noch, denke ich.

Ich fahre den PC hoch und sende den aktuellen Text für mein(en) Blog dem übergangsweise regierenden Militärrat zum Gegenlesen. Weil ich so unwichtig bin und mich eh keiner liest, haben sie keine Einwände. Leider dauert die Begutachtung des Textes 300 Jahre – weil ich so unwichtig bin und der übergangsweise regierende Militärrat überlastet ist und sich erst mal um die wichtigen Probleme kümmern muss. Solange kann ich den Text natürlich nicht bloggen.

Um mir die Zeit bis dahin zu vertreiben, schreibe ich noch ein paar andere Texte, die ich auch beim übergangsweise regierenden Militärrat einreiche. Es kommt immer sofort eine freundliche Mail zurück, in der sie mir den Eingang bestätigen und um mein Verständnis bitten, dass die Bearbeitung noch mindestens 300 Jahre in Anspruch nehmen wird, in denen von Nachfragen abzusehen sei. Ich mache mir einen Spaß daraus, einen Text einzureichen, in dem ich den übergangsweise regierenden Militärrat scharf angreife. Weil ich ja weiß, dass sie ihn erst lesen werden, wenn ich schon lange tot bin, habe ich keine Angst. Trotzdem fühle ich mich wohlig rebellisch.

Irgend jemand muss ihn dann aber doch vorher gelesen haben, denn wenige Minuten später fliegt ein smarter Marschflugkörper durchs Fenster und explodiert direkt auf meinem smarten Mobiltelefon. Das Mobiltelefon liegt zwar am anderen Ende der Wohnung, doch die Wohnung ist glücklicherweise klein. Daher reicht die Sprengkraft aus, mich so schwer zu verletzen, dass ich schon nach wenigen Minuten sterbe. Ein langes und qualvolles Dahinsiechen bleibt mir erspart. In der kurzen Zeit, die ich noch habe, möchte ich mein Leben so weit in Ordnung bringen, dass ich wenigstens meinen GoogleSuper™-Account lösche, doch ich stelle fest, dass man das bereits für mich getan hat. Na, das funktionierte doch reibungslos, denke ich und sterbe halbwegs versöhnt mit der Welt.

Jetzt auch tot: Georg Kreisler

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