Martin Thoma Weihnachtskonzert

Ich habe dieses Jahr nicht nur weniger (an dieser Stelle) gebloggt, als ich mir das eigentlich vorgenommen hatte, ich bin auch besonders in der zweiten Jahreshälfte viel zu wenig mit meiner Gitarre auf Bühnen gewesen.

Um beides zumindest ein bisschen auszugleichen, hier mein (knapp) vorweihnachtliches Weihnachtsgeschenk für alle, die es hören wollen. Es ist vor keinem anwesenden Publikum (mit Ausnahme der Puppe rechts im Bild) am 15. Dezember 2015 live in meiner Wohnung aufgenommen.

Lieder:

(Video 1)

Achtelmond

Strahlen

Irgendwer für Dich

(Video 2)

Kerosin

Die Null

Schwarze Wege

(Video 3)

Unterwegs nach Süden (Hannes-Wader-Cover)

Am Ort, wo das Leben weitergeht

Ich komme aus der Nacht

Wachlied

Das große Grübeln

Das große Grübeln (schweizerisch: Das grosse Grübeln) findet dort statt: http://gruebeln.tumblr.com/ Und zwar regelmäßig, das haben Vera und ich uns ganz fest vorgenommen. Bitte klicken, lesen, abonieren, ihr wisst schon.

Falls sich jemand die Frage stellt (oder in den letzten Monaten gestellt hat), ob hier noch etwas stattfindet: doch, doch. Es war zwar zugegebenermaßen wenig los, aber das muss nicht so bleiben. Vielleicht erzeugt der neue Blog ja sogar einen neuen Schub für den alten.

And now for something completely different:

Für alle Fotografen unter euch. Ich habe zwei etwas längere, aber inspirierierende Filme auf Youtube gesehen. Und falls ihr ein paar Youtube-Filme zum Thema Fotografie kennt, wisst ihr, dass die meisten alles mögliche sind, aber nur sehr selten inspirierend. Hier also zwei sehr erfreuliche Ausnahmen.

Der erste Film ist ein Interview mit dem berühmten Fotografen Andreas Feininger (der  übrigens auch eines der wenigen wirklich guten Fotolehrbücher geschrieben hat). Der zweite ist der erste Teil eines Fotografielehrgangs, in dem es erfrischenderweise nicht darum geht, wie man eine Kamera richtig bedient, sondern tatsächlich darum, wie man ein besserer Fotograf beziehungsweise eine bessere Fotografin wird.

Die Öko-Kiste — eine wirklich putzige (und wahre!) Bilder-Geschichte

Hier ist die Ökokiste:

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Das tolle Paket enthält einen Steinpilz, eine kleine Zauneidechse (die vielleicht auch eine Waldeidechse sein könnte, wenn es jemand sicher weiß, soll er es mir sagen), eine Libelle und eine Raubfliege. Da fragt man sich doch: Wie geht das zusammen? Oder mehr noch: Wie kommt das zusammen? Das, liebe Kinder, ist eine etwas längere Geschichte.

Nun denn. Ich war einmal wieder im Spandauer Forst unterwegs, wie immer auf der vergeblichen Suche nach Kreuzottern, denn die soll es dort ja geben. Bild berichtete vor 5 Jahren, aber auch in seriösen Zeitungen war davon zu lesen. Dieser Artikel aus der Zeit allerdings ist schon ein paar Jahre älter (ungefähr so viel Jahre, wie es her ist, dass die Zeit eine seriöse Zeitung war), doch es lohnt sich unbedingt, ihn zu lesen, denn offenkundig haben sie damals dort  Leute beschäftigt, die schreiben konnten.

Außer hin und wieder eine junge Eidechse sah ich jedoch keine Kriechtiere. Allerdings fand ich eine ganze Menge Pilze, zum Beispiel solche:

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Oder solche:

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Natürlich auch solche:

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Die ließ ich alle stehen. Schließlich war ich nicht zum Pilzesuchen hier. Außerdem bin ich wählerisch. Und nicht umsonst heißt es: Steinpilz kündigt Fliegenpilz an (oder so):

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Ja, Steinpilze waren auch da.

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Von denen habe ich dann doch mal ein Kilo mitgenommen. Wäre ja sonst schade drum gewesen. Mir scheint, es ist gerade Pilzsaison. Darüber, dass ich wieder keine Kreuzotter gefunden hatte, konnte mich das zumindest ein bisschen hinwegtrösten. Man sucht etwas und findet etwas anderes. So ist das im Leben, liebe Kinder. Auch ich war zu diesem Zeitpunkt nicht gesucht, aber gefunden worden. Das ahnte ich allerdings nicht.

Auf dem Rückweg schaute ich noch einmal beim Hornissennest vorbei (vgl. auch letztes Blogpost), alles wohlauf:

Zum Schluss fotografierte ich einen herbstlichen Zitronenfalter, der spät war und müde und leuchtend:

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Dann fuhr ich mit dem Fahrrad, knappe 14 Kilometer, zurück in den Wedding.

Am Abend wollte ich noch einmal los, um meine Eltern zu besuchen und meine Steinpilze zu teilen (und damit anzugeben). Ich zog meine Jacke an und etwas kribbel-krabbelte meinen Nacken entlang. Ich wischte es hastig weg und dachte dabei nicht viel, aber was ich dachte, ging so in Richtung dicker fetter Käfer. Auf dem Boden vor mir saß dann allerdings eine zierliche, kleine, ganz junge und verdammt weitgereiste Zaun-(oder vielleicht Wald-)eidechse.

Ihre ideale Aktionstemperatur hatte sie bestimmt nicht mehr, sonst wäre sie sicher auf Nimmerwiedersehen hinter den Schrank. So aber schaffte ich es, sie aufzuheben und erst einmal fernab von Schränken, Regalen, Türspalten, Ritzen unter Bodenleisten und was weiß ich noch für Verschwindemöglichkeiten auf dem Küchentisch zu platzieren.

Damit begann der Spaß erst. Nach hektischem Hantieren — immer die Eidechse im Blick — und der Zerstörung diverser Behältnisse beim Versuch, sie mit ausreichend Luftlöchern zu versehen, gelang mir schließlich mithilfe von Schere, Paketkleber und einem Pappkarton das Päckchen mit Eidechse, der Hauptbestandteil von oben abgebildeter Öko-Kiste. Als ich die Eidechse darin eingesperrt hatte, ließ ich sie in meiner Wohnung alleine und fuhr los. Kaum saß ich in der U-Bahn fiel mir ein, dass ich vergessen hatte ein Schälchen Wasser ins Paket zu stellen. Das habe ich dann nach meiner Rückkehr später am Abend, nachgeholt. Der Eidechse ging es den Umständen entsprechend, was weiß ich — sie lebte jedenfalls. Ich sagte Gute Nacht und verschloss ihr Gefängnis wieder sorgsam mit Paketkleber.

Am nächsten Morgen beim Frühstück öffnete ich das Päckchen, rückte es etwas ins Licht und die Eidechse, die erst völlig reglos dagelegen hatte, taute nach und nach auf und ging auf Erkundungstour:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Als sie begann meinen Arm hochzuklettern, dachte ich noch „Och, wie süß!“, da saß sie schon auf meinem Rücken. Dort saß sie äußerst ungünstig. Ich hatte sie nicht im Blick und nicht unter Kontrolle. Hätte ich sie abgeschüttelt oder wäre sie von allein runtergefallen , wäre sie auf dem Boden, möglicherweise schneller, als ich sie daran hindern gekonnt hätte, hinter irgendeinem Schrank verschwunden. Über die Tischplatte gebeugt zog ich ganz langsam und vorsichtig meinen Pullover aus. Die Eidechse blieb sitzen und ich hatte sie wieder auf dem Tisch.

Zu guter Letzt glückte auch die Operation  Auswilderung. Die Libelle, die Fliege und der Steinpilz gesellten sich am neuen (und ich denke auch alten) Eidechsenstandort wie von selbst dazu. Auf die zweite Rückfahrt habe ich — soweit ich das zum jetzigen Zeitpunkt beurteilen kann — nur Steinpilze mitgenommen.

Der andere Teil dieser doch wirklich super-putzigen Geschichte, wäre der Teil, in dem sie aus Sicht der Eidechse erzählt wird. Den wird es auf dieser Welt nicht geben. Ich gehe mal davon aus, das Tier hat die meiste Zeit ganz instinktiv reagiert und davon abgesehen diese völlig unerklärliche Episode aus seiner Kindheit sofort vergessen. Falls doch nicht, ist es darüber natürlich verrückt geworden.

Einflugschneisen

Achtung Allergiker! Phobiker aufgepasst! Das folgende Video gefällt euch vielleicht nicht.

Lieber Björn, ich habe mir deinen Chuck-Norris-Kommentar unter meinem letzten Blogeintrag zu Herzen genommen. Wespennester in Laternenmasten filmen, ist ja schön und gut, habe ich mir gedacht, aber Chuck Norris würde sich mit so was nicht abgeben. Viel zu harmlos, selbst mit Weitwinkelobjektiv. Nein, das reicht nicht für eine Tier-„Doku“ auf Dmax. Wespennester sind Kinderkacke. I want to go for the real thing. I want to go for: Vespa Crabro aka Hornisse. Sieben Stiche töten ein Pferd, weiß der Volksmund, und das Volk ist weise. (Man  sieht das zum Beispiel daran, dass es ihm nie in den Sinn käme, auch nur in Erwägung zu ziehen, Angela Merkel zu wählen. Aber ich schweife ab.)  Vespa Crabro. Sieben Stiche töten ein Pferd. Glücklicherweise bin ich ja keins. Darum lade ich ein zu einem kleinen filmischen Ausflug in die Einflugschneise bis direkt vor den Hornissenhauseingang. Leider ist der Kamerazoom immer noch nicht repariert. Man kommt ja zu nichts! Darum wieder mit Weitwinkel aufgenommen. Ein durchsichtiger Vorwand, ganz nah ran zu gehen und sinnlos sein Leben zu riskieren. Mitten drin statt nur dabei, Männer! Hier kommt Einflugschneise 1. [Kamerawackeln=Hornissenberührung]

Adrenalin pur auf dem Raushau-Blog!

Nein, nicht pur. Wir mischen es mit Kerosin. Der Ort, an dem es riecht wie tausend Grillanzünder: Einflugschneise 2.

Wedding-Wespen-Nest

Dass die meisten Menschen der Natur heute entfremdet seien, ist wahrscheinlich ein zutreffendes Vorurteil. Dass „wir“ die Natur zerstören, stimmt sowieso. – „Wir“ soll heißen: wir mit den Konsumgüterschrotthalden, den Produktbergen der Lebensmittelindustrie, den 100-Pferde-für-ein-halbes-Mittelklassenarschloch-Wagen. – Schön ist es da, dass sich Teile der Natur nicht von „uns“ entfremden, sondern weiterhin ungerührt Menschennähe suchen, als gäbe es nichts Angenehmeres.

Kommt es dabei auch nur zum allerkleinsten nachbarschaftlichen Konflikt, verhält sich der moderne Mensch gegenüber dem jeweiligen Problemtier in der Regel so aufgeklärt, als hätte es die letzten 10 000 Jahre Menschheitsgeschichte nicht gegeben. Dann wird das Tier zum Dämon, der wahrscheinlich die ganze Welt verschlingen will, wenigstens aber kleine Kinder frisst. Doch anders als vor 10 000 Jahren verehrt der moderne Mensch diesen Dämonen nicht. Er ist abergläubisch, aber heilig ist ihm trotzdem nichts. Die Angst vor dem Tier ist die Angst vor dem Fremden, das das Tier ist. Und die Angst vor dem Fremden ist die Angst vor all dem, das man in das Fremde hinein projiziert. Und das sind immer nur die eigenen Dämonen. Die allerdings sind real.

Ich bin stolz und glücklich, hier auf dem Raushau-Blog sensationelles von mir selbst gedrehtes Filmmaterial präsentieren zu können. Es handelt sich um atemberaubende Nahaufnahmen des gefährlichsten Tiers Deutschlands, der Gemeinen Wespe (Vespula Vulgaris). [Ich habe die Wespe, ihre Gefährlichkeit und meine Sympathien für sie vor einigen Jahren schon einmal auf diesem traditionsreichen Blog gewürdigt: Link] Dieses Volk hat sich sein Nest in einer Verkehrsampel an der Barfusstraße eingerichtet. Das als eine geniale Idee zu bezeichnen, wäre sicherlich eine unzulässige Vermenschlichung wespischer Verhaltensweisen. Ich finde es trotzdem grandios. Es scheint mir überdies ein souverän großstädtisches Verhalten zu sein, wie es nur Wedding-Wespen an den Tag legen können. Die Gentrifizierung dürfte solche Behausungen für solche Bewohner in anderen Teilen Berlins bereits unmöglich gemacht haben. Unerschrocken habe ich mich mit meiner Digiknipse mit kaputtem Zoom bis auf wenige Zentimeter an das Nest heran gewagt. So ist es mir unter Einsatz meines Lebens gelungen, die legendäre Angriffslust unseres schärfsten Nahrungskonkurrenten in den Monaten August bis September zu dokumentieren.