Einflugschneisen

Achtung Allergiker! Phobiker aufgepasst! Das folgende Video gefällt euch vielleicht nicht.

Lieber Björn, ich habe mir deinen Chuck-Norris-Kommentar unter meinem letzten Blogeintrag zu Herzen genommen. Wespennester in Laternenmasten filmen, ist ja schön und gut, habe ich mir gedacht, aber Chuck Norris würde sich mit so was nicht abgeben. Viel zu harmlos, selbst mit Weitwinkelobjektiv. Nein, das reicht nicht für eine Tier-„Doku“ auf Dmax. Wespennester sind Kinderkacke. I want to go for the real thing. I want to go for: Vespa Crabro aka Hornisse. Sieben Stiche töten ein Pferd, weiß der Volksmund, und das Volk ist weise. (Man  sieht das zum Beispiel daran, dass es ihm nie in den Sinn käme, auch nur in Erwägung zu ziehen, Angela Merkel zu wählen. Aber ich schweife ab.)  Vespa Crabro. Sieben Stiche töten ein Pferd. Glücklicherweise bin ich ja keins. Darum lade ich ein zu einem kleinen filmischen Ausflug in die Einflugschneise bis direkt vor den Hornissenhauseingang. Leider ist der Kamerazoom immer noch nicht repariert. Man kommt ja zu nichts! Darum wieder mit Weitwinkel aufgenommen. Ein durchsichtiger Vorwand, ganz nah ran zu gehen und sinnlos sein Leben zu riskieren. Mitten drin statt nur dabei, Männer! Hier kommt Einflugschneise 1. [Kamerawackeln=Hornissenberührung]

Adrenalin pur auf dem Raushau-Blog!

Nein, nicht pur. Wir mischen es mit Kerosin. Der Ort, an dem es riecht wie tausend Grillanzünder: Einflugschneise 2.

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Wedding-Wespen-Nest

Dass die meisten Menschen der Natur heute entfremdet seien, ist wahrscheinlich ein zutreffendes Vorurteil. Dass „wir“ die Natur zerstören, stimmt sowieso. – „Wir“ soll heißen: wir mit den Konsumgüterschrotthalden, den Produktbergen der Lebensmittelindustrie, den 100-Pferde-für-ein-halbes-Mittelklassenarschloch-Wagen. – Schön ist es da, dass sich Teile der Natur nicht von „uns“ entfremden, sondern weiterhin ungerührt Menschennähe suchen, als gäbe es nichts Angenehmeres.

Kommt es dabei auch nur zum allerkleinsten nachbarschaftlichen Konflikt, verhält sich der moderne Mensch gegenüber dem jeweiligen Problemtier in der Regel so aufgeklärt, als hätte es die letzten 10 000 Jahre Menschheitsgeschichte nicht gegeben. Dann wird das Tier zum Dämon, der wahrscheinlich die ganze Welt verschlingen will, wenigstens aber kleine Kinder frisst. Doch anders als vor 10 000 Jahren verehrt der moderne Mensch diesen Dämonen nicht. Er ist abergläubisch, aber heilig ist ihm trotzdem nichts. Die Angst vor dem Tier ist die Angst vor dem Fremden, das das Tier ist. Und die Angst vor dem Fremden ist die Angst vor all dem, das man in das Fremde hinein projiziert. Und das sind immer nur die eigenen Dämonen. Die allerdings sind real.

Ich bin stolz und glücklich, hier auf dem Raushau-Blog sensationelles von mir selbst gedrehtes Filmmaterial präsentieren zu können. Es handelt sich um atemberaubende Nahaufnahmen des gefährlichsten Tiers Deutschlands, der Gemeinen Wespe (Vespula Vulgaris). [Ich habe die Wespe, ihre Gefährlichkeit und meine Sympathien für sie vor einigen Jahren schon einmal auf diesem traditionsreichen Blog gewürdigt: Link] Dieses Volk hat sich sein Nest in einer Verkehrsampel an der Barfusstraße eingerichtet. Das als eine geniale Idee zu bezeichnen, wäre sicherlich eine unzulässige Vermenschlichung wespischer Verhaltensweisen. Ich finde es trotzdem grandios. Es scheint mir überdies ein souverän großstädtisches Verhalten zu sein, wie es nur Wedding-Wespen an den Tag legen können. Die Gentrifizierung dürfte solche Behausungen für solche Bewohner in anderen Teilen Berlins bereits unmöglich gemacht haben. Unerschrocken habe ich mich mit meiner Digiknipse mit kaputtem Zoom bis auf wenige Zentimeter an das Nest heran gewagt. So ist es mir unter Einsatz meines Lebens gelungen, die legendäre Angriffslust unseres schärfsten Nahrungskonkurrenten in den Monaten August bis September zu dokumentieren.

Ein Juli-Nachmittag im Spandauer Forst — Nachtrag

Ich habe noch ein Tier nachzutragen, das mir am Dienstag in Spandau entgangen und erst Mittwochnacht aufgefallen ist. Da hatte es sich an einem eher intimen Körperteil von mir festgesetzt. Daraus lernen wir: Du sollst den Tag nicht vor dem übernächsten Abend loben und die Natur erst dann verklären, wenn du alle Zecken von deinem Körper entfernt hast.

Andererseits war ich mit der Zecke ja noch gut bedient. Wenn ihr mal die oberste Libelle betrachtet, werdet ihr an ihr so kleine rote Punkte erkennen. Das sind Milben. Aber die Libelle soll sich mal nicht beschweren, schließlich frisst sie selber andere Tiere. Von den fotografierten Tieren sind nur der Hase, die Schmetterlinge und der Käfer Vegetarier. Am schlimmsten ist natürlich das süße Killer-Kätzchen (oben links), das frisst sowieso alle anderen oder macht sie zumindest kaputt, wenn es Zeit und Muße dazu findet (und Zeit und Muße finden süße Killer-Kätzchen dazu eigentlich immer). Außer den Hasen. Der ist zu groß fürs Kätzchen. Hasen finde ich ganz lecker.

No animals were harmed in the making of this picture. (Danach allerdings schon.)

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