Martin Thoma Weihnachtskonzert

Ich habe dieses Jahr nicht nur weniger (an dieser Stelle) gebloggt, als ich mir das eigentlich vorgenommen hatte, ich bin auch besonders in der zweiten Jahreshälfte viel zu wenig mit meiner Gitarre auf Bühnen gewesen.

Um beides zumindest ein bisschen auszugleichen, hier mein (knapp) vorweihnachtliches Weihnachtsgeschenk für alle, die es hören wollen. Es ist vor keinem anwesenden Publikum (mit Ausnahme der Puppe rechts im Bild) am 15. Dezember 2015 live in meiner Wohnung aufgenommen.

Lieder:

(Video 1)

Achtelmond

Strahlen

Irgendwer für Dich

(Video 2)

Kerosin

Die Null

Schwarze Wege

(Video 3)

Unterwegs nach Süden (Hannes-Wader-Cover)

Am Ort, wo das Leben weitergeht

Ich komme aus der Nacht

Wachlied

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Doreen Türklitz wünscht frohe Weihnachten

Gestern bekam ich Post von Möbel Hübner, über die ich mich sehr gefreut habe. Eigentlich war es nicht direkt Post von Möbel Hübner — obwohl ich mir schon vorstellen könnte, dass das Möbelhaus das Porto und vielleicht auch das Briefpapier bezahlt hat –,  sondern eigentlich war der Brief von Doreen Türklitz. Doreen Türklitz ist die Frau von Albert Türklitz, dem jungen Chef des Familienunternehmens.

Von ihm habe ich, seit er das Geschäft seines Vaters übernommen hat, schon öfter nette Einladungen zu Gratis-Kaffee-und-Kuchen in seinem Möbelhaus bekommen. Den Briefen lag immer ein sympathisches Foto bei. Beim Anblick dieser Fotos habe ich mir oft gedacht: Mensch, dieser junge Mann mit dem freundlichen Lächeln sieht ja eigentlich gar nicht so aus, wie man sich den tyrannischen Alleinherrscher über ein Berliner Möbelimperium vorstellt. Mit diesem lachenden Gesicht könnte einer auch gut Gebrauchtwagen verkaufen oder Teppiche, oder er könnte als Spitzenkandidat für die Berliner CDU eine Abgeordnetenhauswahl verlieren.

Albert Türklitz kannte ich also gewissermaßen schon, aber von seiner Frau Doreen hatte ich noch nie etwas gehört oder gesehen. Hätte ich doch einmal eine der Einladungen zu Kaffee und Kuchen gratis bei Möbel Hübner angenommen! Vielleicht wären mir die beiden dort schon früher begegnet. Jetzt sehe ich Doreen zum ersten Mal auf einem Bild, das dem Brief beigelegt ist und sie zusammen mit ihrem Mann zeigt. Sie ist wunderschön.  Die beiden müssen ein Traumpaar sein.  Mein größter Weihnachtswunsch wäre es, als das Kind von Doreen und Albert Türklitz wiedergeboren zu werden.

Und nun schreibt mir also Doreen, obwohl sie das gar nicht müsste. Schließlich bin ich bloß ein kleiner, unwichtiger Kunde ihres Mannes. Sie könnte ihre Zeit so viel bequemer verbringen — leckere Plätzchen backen, das Haus und den Garten weihnachtlich dekorieren oder sich mit ihren Freundinnen treffen und gemeinsam eine amerikanische Fernsehserie sehen. Aber nein, sie nimmt sich die Zeit, mir einen Weihnachtsbrief zu schreiben.

„Sehr geehrter Herr Thoma“, schreibt sie, „mein Mann ist nicht nur mit mir, sondern auch mit unserem Geschäft verheiratet.“ Und ich denke: Nein, wie kann er nur! Wenn es die Monogamie noch nicht gäbe, für Traumfrauen wie Doreen Türklitz müsste sie erfunden werden! Nicht das beste und schönste Möbelhaus der Welt ist es wert, dafür dich, Doreen, zu vernachlässigen! Doch du schreibst: „Er verbringt die meiste Zeit hier [also im Möbelhaus] — und das ist auch richtig so.“ Ich muss schlucken. Nein, das kann nicht richtig sein, denke ich. Aber andererseits imponiert mir deine Bescheidenheit und wie du dich selbst und deine eigenen Bedürfnisse zurückstellst, weil es um etwas geht, das größer ist als ein einzelner Mensch: „Immerhin leitet er das Familienunternehmen.“ Und „Familienunternehmen“ schreibst du in fetten Buchstaben. Und dann: „Ich teile meinen Mann also noch mit über 240 Mitarbeitern und ja, auch Sie gehören zu unserer Familie!“

Das ging mir ganz tief ans Herz. Ich musste weinen vor Rührung. Deine Selbstlosigkeit, Doreen, deine Bereitschaft, das Wertvollste, was du hast,  zu geben, ohne etwas zurückzuverlangen, mit jedem zu teilen, selbst mit dem winzigsten Bestandteil der großen, großen Möbel-Hübner- Kundendatei! Es war der wahre Geist der Weihnacht, der in dem Moment, in dem ich deine Zeilen las, über mich kam. Ich konnte ihn riechen: Er roch nach Zimt und Spekulatius, nach Glühwein und nach einem Weihnachstmarkt, auf dem sich gerade alle gemeinsam an den Händen haltend zu der Melodie von „Stille Nacht“ erbrochen haben.

Und dieser Geist der Weihnacht löste etwas in mir aus. Nun wollte ich ebenfalls teilen. Und zwar deinen Brief, liebe Doreen, du hast bestimmt nichts dagegen, mit der ganzen Welt im Internet.

Ich wünsche euch allen im Namen von mir und Doreen Türklitz fröhliche Weihnachten!

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